DIY/FAQ:    --===> Bremsflüssigkeit und Bremsschläuche <===--
Vorwort: Arbeiten an der Bremsanlage sollte nur der ausführen, der wirklich sicher ist was er denn da macht. Hinsichtlich der hier bereitgestellten Informationen wird keine Gewähr für Richtigkeit, Zulässigkeit im Straßenverkehr und Vollständigkeit übernommen. Die Benutzung der Informationen erfolgt auf eigene Gefahr und eigenes Risiko! Ich schließe ausdrücklich jede Haftung für Schäden, die auf die Verwendung der Informationen zurückzuführen sind, aus.



Die Bremsflüssigkeit dient als hydraulisches Medium zur Kraftübertragung in Bremssystemen. Sie muss für eine sichere Funktion der Bremsen sehr hohe Anforderungen erfüllen. Bremsflüssigkeiten sind in verschiedenen, im Inhalt sehr ähnlichen Normen (SAE J1703, FMVSS 116, ISO 4925) mit ihren Eigenschaften festgelegt. Die in FMVSS 116 beschriebenen Merkmale haben in USA Gesetzeskraft erlangt und gelten weltweit als maßgebend. Vom Department of Transportation (DOT) wurden bezüglich der wichtigsten Eigenschaften verschiedene Güteklassen definiert (Tabelle 1).

Die Anforderungen

Gleichgewichtssiedepunkt
Der Gleichgewichtssiedepunkt ist ein Maß für die thermische Belastbarkeit der Bremsflüssigkeit. Die Belastung kann besonders an den Radbremszylindern (mit den höchsten Temperaturen im Bremssystem) sehr hoch sein. Bei Temperaturen über dem aktuellen Siedepunkt der Bremsflüssigkeit kommt es zu Dampfblasenbildung. Ein Betätigen der Bremse ist dann nicht mehr möglich.

Naßsiedepunkt
Der Naßsiedepunkt ist der Gleichgewichtssiedepunkt der Bremsflüssigkeit, nachdem diese unter definierten Bedingungen Wasser aufgenommen hat (ca. 3,5%). Vor allem bei hygroskopischen Flüssigkeiten (Glykolbasis) ergibt sich dadurch ein starkes Absinken des Siedepunktes. Die Prüfung des Naßsiedepunktes soll die Eigenschaften der gebrauchten Bremsflüssigkeit beschreiben, die hauptsächlich über Diffusion durch die Bremsschläuche Wasser aufnehmen kann. Dieser Effekt macht im wesentlichen den Wechsel der Bremsflüssigkeit im Kfz nach 1...2 Jahren erforderlich. Der Abfall des Siedepunktes bei Wasseraufnahme ist im Bild als Beispiel (Diagramm 1) für zwei verschiedene Bremsflüssigkeiten dargestellt.

Viskosität
Die Temperaturabhängigkeit der Viskosität sollte möglichst gering sein, um über den weiten Einsatzbereich (-40°C...+100°C) eine sichere Funktion der Bremsen zu gewährleisten. Besonders bei ABS-Anlagen ist eine möglichst niedrige Tieftemperaturviskosität von Vorteil.

Kompressibilität
Die Kompressibilität sollte gering und möglichst wenig temperaturabhängig sein.

Korrosionsschutz
Nach FMVS 116 dürfen Bremsflüssigkeiten gegenüber den in Bremsanlagen üblichen Metallen keine Korrosivität aufweisen. Nur der Einsatz von Additiven gewährleisten den notwendigen Korrosionsschutz.

Elastomerquellung
Der jeweilige Bremsflüssigkeittyp erfordert ein Anpassen der in der Bremsanlage eingesetzten Elastomere. Eine geringe Quellung der Elastomere ist erwünscht. Sie darf aber keinesfalls größer als ca. 10% sein, da sonst die Festigkeit dieser Bauteile abnimmt. Bei der Verunreinigung einer Glykol-Bremsflüssigkeit mit geringen Anteilen eines Mineralöls (z.B. Mineralöl-Bremsflüssigkeit, Lösemittel) können Gummiteile (wie Dichtelemente) zerstört werden, was einen Ausfall der Bremse zur Folge haben kann.

Chemischer Aufbau

Glykoletherflüssigkeit
Glykoletherflüssigkeit sind die am häufigsten eingesetzten Bremsflüssigkeiten. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Monoether niedriger Polyethylenglykole. Mit diesen Komponenten lassen sich Bremsflüssigkeiten herstellen, die den Anforderungen von DOT3 entsprechen. Von Nachteil ist, das sie aufgrund der hygroskopischen Eigenschaften relativ schnell Wasser aufnehmen und dadurch der Siedepunkt sinkt. Werden die freien OH-Gruppen dieser Glykolether teilweise oder weitgehend mit Borsäure verestert, so bilden sich Komponenten zur Herstellung wesentlich besserer DOT4- (bzw. "DOT4+", "Super DOT4") Flüssigkeiten. Sie binden wegen der Reaktionsfähigkeit mit Wasser dieses chemisch ab.

Mineralölflüssigkeiten (ISO 7308)
Mineralölflüssigkeiten haben den großen Vorteil, daß sie nicht hygroskopisch sind und daher ihren Siedepunkt nicht durch Wasseraufnahme verändern. Die hierfür verwendeten Mineralöl- bzw. Syntheseölprodukte müssen sorgfältig ausgesucht sein. Im allgemeinen erfolgt ein Zusatz von "Verbesserern" für den Viskositätsindex, um ein günstiges Viskositäts-/Temperaturverhalten zu erreichen. Additive zur Verbesserung weiterer Eigenschaften sind aus der Mineralöltechnik vielfältig bekannt. Um die jeweiligen Elastomere nicht zu zerstören, dürfen aber keinesfalls Mineralölflüssigkeiten in Bremsanlagen mit Glykolether gelangen (oder umgekehrt).

Silikonölflüssigkeiten (SAE J1705)
Silikonöle kamen in der Vergangenheit schon als Bremsflüssigkeit zum Einsatz, da sie wie die Mineralöle kein Wasser aufnehmen. Nachteilig sind bei diesen Produkten die deutlich höhere Kompressibilität und die schlechtere Schmiereigenschaft, weshalb sie sich als Hydraulikflüssigkeit für viele Systeme weniger gut eignen.
Kritisch ist bei Silikonöl- und Mineralölflüssigkeiten die Aufnahme von freiem, flüssigem Wasser, da dieses bei einer Erwärmung über 100°C zu Dampfblasen führt und beim Abkühlen unter 0°C gefriert.

Quelle: Kraftfahrtechnische Taschenbuch

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Tabelle 1. Bremsflüssigkeit

Prüfung nach

FMVSS 116

SAE J1703

Anforderugn/Stand

DOT3

DOT4

DOT5

11. 1983

Trockensiedepunkt in °C (mindestens)

205

230

260

205

Naßsiedepunkt in °C (mindestens)

140

155

180

140

Kälteviskosität bei -40°C in mm²/s

1500

1800

900

1800

Jetzt kommen wir mal zum wechseln der Bremsschläuche und der Bremsflüssigkeit.

An Werkzeug benötigen wir:
einen Wagenheber (wenn wir keine Hebebühne haben)
vier Böcke (wenn wir keine Hebebühne haben)
Radkreuz SW17
einen Maulschlüssel SW7
einen Maulschlüssel SW11
einen Maulschlüssel SW14
ca. einen Liter DOT4 Bremsflüssigkeit
zwei Bremsschläuche
eine flache Schüssel
eine Flasche Bremsenreiniger
einen Schlauch
einen Helfer/in

Zum Thema Fahrzeug aufbocken, oder mit der Hebebühne aufnehmen brauch ich ja glaube ich nix erklären, wenn doch dann lass die Finger von der Bremse! Erst mal müssen die Räder runter (Bild1/Bild2) dann können wir schon einen ersten Blick auf die Schläuche werfen. Sind diese noch in Ordnung, können wir direkt mit dem Entlüften fortfahren. Wenn nicht, schlagen wir die Lenkung ganz ein um besser arbeiten zu können (Bild4) und entfernen losen Dreck und Schmutz mit dem Bremsenreiniger. Jetzt lösen wir erst die Verschraubung im Radhaus (SW11/SW14) und kommen dann zur Verschraubung am Bremssattel (Bild5). Wenn wir nun den alten Bremsschlauch entfernt haben wir der neuen Schlauch (Bild6) zuerst am Sattel festgeschraubt und dann im Radhaus. An dieser Stelle möchte ich anmerken das bei alle Verschraubungen an der Bremsanlage darauf geachtet werden muss, das sie sauber und ohne verkannten geschraubt werden. Gerade bei dem Typ Verschraubung im Radhaus ist große Sorgfalt gefragt! So, alles fest (Bild7), gut dann wird die andere Seite jetzt ja besser von der Hand gehen.

Das Entlüften
Ohne einen Helfer/in oder ein Entlüftungsgerät geht's jetzt nicht weiter. Bei einem normalem Auto wie einem E30 fangen wir hinten rechts an, arbeiten uns über hinten links nach vorne rechts vor und hören schließlich vorne links auf. Die Räder der Hinterachse müssen nicht unbedingt runter aber besser ist das, dann braucht man sich dann nicht die Finger brechen und man kann nebenbei noch einen Blick auf die Scheiben bzw. die Beläge werfen! Der Entlüftungsnippel befindet sich oben an der Innenseite des Bremssattels und läst sich wie auch an der Vorderachse mit dem 7er Maulschlüssel öffnen. Der Helfer oder die Helferin sollten nun mit normaler Kraft auf das Bremspedal treten. Oft wird der Fehler gemacht das man wie wild auf das Bremspedal tritt, klar geht das schneller mit diesem "Aufpumpen", nur sollte man sich mal Überlegen welchen Weg der Kolben des Hauptbremszylinders im normalen Straßenverkehr zurücklegt. Also bitte nicht das Bremspedal mit der Kupplung verwechseln, das kann die Manschetten im Hauptbremszylinders zerstören! Also, der Helfer hat jetzt den Fuß auf der Bremse, jetzt wird der Entlüftungsnippel geöffnet. Wenn man einen Schlauch auf den Nippel gesteckt hat, kann man schön sehen ob Luft im System ist oder nicht. Der Helfer sollte bitte nicht eher den Fuß von der Bremse nehmen bis der Entlüftungsnippel geschlossen ist! So, Entlüftungsnippel schließen und der Helfer kann den Fuß von der Bremse nehmen. Jetzt wieder Fuß auf die Bremse, Entlüftungsnippel auf, Entlüftungsnippel zu und Fuß von der Bremse. Im Schlauch kann man nicht nur sehen ob Luft im System ist, auch kann man deutlich den Unterschied zwischen der alten und der neuen Bremsflüssigkeit erkennen (Bild9). Hinten dauert das natürlich etwas bis schöne neue Flüssigkeit kommt aber nicht verzweifeln, immer schön pumpen und nicht vergessen den Vorratsbehälter mit neuer Bremsflüssigkeit zu versorgen. Sekunde, die Schüssel hatten wir doch noch nicht im Einsatz oder? Die Schüssel sollte natürlich immer schön unter der Bremse stehen wo gerade gearbeitet wird! So, dann wären wir fertig, noch schnell die Räder drauf (Bild8) und dann können wir mal aus Schrittgeschwindigkeit eine Probebremsung machen.

dann noch sheer driving pleasure und nicht immer nur an mehr PS denken, auch die Bremsen sind wichtig!!!

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Rechtliches:
Wer will, der kann mein DIY/FAQ, unter Angabe der Quelle, aus dem Internet runterladen und kostenfrei kopieren und oder auf seiner Homepage veröffentlichen. Das DIY/FAQ mit allen Anmerkungen darf Inhaltlich NICHT verändrt werden!

Verfasser der Anleitung: Bossi, Webmaster www.e30forum.de

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Hinsichtlich der hier bereitgestellten Informationen wird keine Gewähr für Richtigkeit, Zulässigkeit im Straßenverkehr und Vollständigkeit übernommen. Die Benutzung der Informationen erfolgt auf eigene Gefahr und eigenes Risiko! Ich schließe ausdrücklich jede Haftung für Schäden, die auf die Verwendung der Informationen zurückzuführen sind, aus.
 

Bild1 Bild2
Bild3 Bild4
Bild5 Bild6
Bild7 Bild8
Bild9