DIY/FAQ:    --===> H-Kennzeichen Anforderungen <===--

1. Vorbemerkungen
Grundsätzlich muss das Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt sein. Anerkennungsfähige Umbauten müssen in den ersten zehn Jahren der Zulassung erfolgt, d.h. sie müssen mindestens 20 Jahre alt sein. (Ein Hot-Rod kann also nur dann ein H-Kennzeichen erhalten, wenn der Umbau älter als 20 Jahre ist.)
Die Fahrzeuge und die Umbauten müssen der StVZO entsprechen. So sind z.B. scharfkantige Originalteile trotz Originalität nicht zulassungsfähig.
Das Fahrzeug muss in einem erhaltungswürdigen Zustand sein. Das heißt, die Hauptuntersuchung muss bestanden werden und es muss mindestens die Zustandsnote 3 haben.

2. Anforderungskatalog
Identität
Die originale FIN (Fahrzeug-Identnummer) muss vorhanden sein. Fahrzeuge, die ab Werk keine FIN haben, erhalten vom TÜV eine Teileprüfnummer (TP-Nummer). Nicht mehr zulässig ist es, dass sich der Fahrzeugbesitzer selbst eine Fahrzeug-Identnummer ausdenkt, er kann sich aber nach õ 59 Abs.3 StVZO von der Zulassungsstelle eine FIN zuteilen lassen.
Bis 1.10.69 war es zulässig, die FIN elektrisch einzugravieren bzw. einzuschlagen oder auf einem separaten aufgenieteten Blechschild anzubringen. Das ist nicht zu beanstanden.
Der Motor-Typ muss nachvollziehbar sein. Entweder durch die Gussnummer, die Motor-Nummer oder durch genaue Kenntnis der optischen Erscheinung. Alle diese Nachweise hat der Halter zu erbringen.

Lack
Ein Original-Farbton kann nicht mehr gefordert werden, Unilackierungen, Metallic-Lacke oder Zweifarbenlackierungen sind in allen Farben zulässig. Mehrfarbenlackierungen dürfen aber nur dann anerkannt werden, wenn sie original angeboten wurden. Gemusterte Lacke oder Paintbrushmotive werden nicht anerkannt. Eine Ausnahme ist eine zeitgenössische Reklamebeschriftung z.B. auf einem Lieferwagen (auch ein pinkfarbener 11 CV wäre also zulässig, in der Kombination mit mintgrünen Kotflügeln. Unzulässig wäre aber der zusätzlich rot gefärbte Kofferraumdeckel - das wäre dann eine nicht originale Mehrfarbenlackierung, da es ab Werk keinen Drei-Farben-Lack gab).
Der Lack muss in einem ordentlichen Zustand sein. Patina, kleinere Kratzer und Dellen in geringer Zahl sind akzeptabel. Je älter das Fahrzeug ist, desto mehr Schönheitsfehler sind möglich. Die Zustandsnote ?3? ist für eine positive Begutachtung Mindestbedingung.
Während bei der ?normalen? Hauptuntersuchung nach õ 29 StVZO der TÜV nur auf sicherheitsrelevante Mängel achtet und z.B. auch durchgerostete Türen, Radläufe etc. akzeptiert, geht so etwas beim Oldtimergutachten nicht durch. ?Rostlauben? erhalten kein H-Kennzeichen.

Blech
Umbauten (z.B. von der Limousine zum Cabrio) sind in der Regel nicht möglich. Akzeptiert werden sie, wenn der Umbau mindestens 20 Jahre alt ist oder es diese Version im offiziellen Angebot des Herstellers gegen hat (z.B. Mercedes 111 Coup‚ in Cabrio). Akzeptiert wird auch bei Fahrzeugen mit separatem Rahmen ein Tausch mit zeittypischer Karosse, auch wenn diese in jüngerer Zeit hergestellt wurde (z.B. Rolls Royce Leichenwagen in Open Tourer). GfK (Glasfaser) Kotflügel oder andere GfK-Teile werden nur anerkannt, wenn ihr Erscheinungsbild nicht vom Original abweicht und diese Teile keine tragende Funktion haben, bzw. zur Festigkeit des Rahmens beitragen. Komplettkarossen aus GfK werden nicht akzeptiert.

Äußeres Erscheinungsbild
Keine äußerlich sichtbaren Unfallschäden und keine größeren Dellen. Weitgehend frei von Rost. Originales Erscheinungsbild muss erhalten sein.

Rahmen
Nur originale Rahmen, keine Nachfertigungen oder Replikas. Reparaturen nur in fachgerechter Ausführung. Rahmen darf nicht verbogen oder gebrochen sein.

Fahrwerk
Nur Original-Fahrwerk!! Keine Höher- oder Tieferlegung (wenn nicht damals schon als legales Zubehör angeboten). Keine Verstell-Achsen. Nur Originalfedern oder originalgetreue Ersatzteile (ggf. härtere Dämpfer erlaubt, aber nur mit gleichen Anbaumaßen).

Motor
Es sind nur Motoren aus der Baureihe des jeweiligen Fahrzeugtyps zulässig.
Oder ein anderer, mindestens 30 Jahre alter Motor des gleichen Herstellers. Oder baugleicher Motor des gleichen Herstellers mit gleichem Hubraum und gleicher Leistung. Oder Motor eines anderen Herstellers, wenn der schon vor mindestens 20 Jahren eingebaut wurde.

Beispiele:
Jaguar XK mit allen in der XK-Reihe erhältlichen Motoren = ok
Mercedes Pagode 230 SL bis 280 SL (nicht aber der Doppelnockenwellenmotor der späteren Modelle)
Corvette Sting Ray (1963-1967) nur mit originalen Motoren oder gleichen Motoren aus benachbarten Baureihen (Chevelle, Camaro, Impala), nicht aber die Nachfolgemaschine mit 350 CID.
(Insbesondere ist bei US-Fahrzeugen generell auf die korrekte Motorenbestückung zu achten, der Motortyp ist in den Fahrzeugbrief einzutragen.
Mercedes 200 D (Flosse) mit 200 D-Motor aus der 123 Baureihe mit gleicher Leistung Ford P5 mit 2,0-Liter-V6 mit baugleicher Maschine bis Ende 1971 oder mindestens 20 Jahre alt (2,0Liter-V6 mit gleicher Leistung.
Vergaser und Ansaugtrakt müssen original sein (auch bei Nicht-Original-Motoren). Nicht-Original-Vergaser können anerkannt werden, wenn es sich um die gleiche Bauart (Steigstrom, Doppelvergaser) handelt oder um einen zeitgenössischen Umbau. Nachrüstung mit Kat ist möglich.
Getriebe
Die Umrüstung der Getriebeart (z.B. auf Automatik) ist nur dann möglich, wenn in der Baureihe des Fahrzeuges solche Getriebe vom Hersteller angeboten wurden.
Ansonsten gilt das im Abschnitt "Motor" gesagte sinngemäß.

Bremsen
Umbausätze von Seilzug auf Hydraulik werden akzeptiert. Der Umbau von Trommel- auf Scheibenbremsen ist nur zulässig, wenn in der Baureihe des Fahrzeuges später eine solche Ausrüstung serienmäßig war (z.B. bei Jaguar XK, aber nicht bei Ford Thunderbird 1957 und Thunderbird 1970, da es sich hier um völlig unterschiedliche Fahrzeuge handelt). Die Änderung der Pedalanordnung ist erlaubt.

Lenkung
Nachfertigungen von Originallenkrädern sind erlaubt. Holzlenkräder sind nur zulässig, wenn sie original sind oder originalgetreu nachgebaut. Nachbauten müssen Originalmaße aufweisen. Zeitgenössische Sport- oder Sonderlenkräder sind nur zulässig, wenn sie wahlweise ab Werk angeboten wurden oder nachweislich (!) aus dieser Zeit stammen. Umbau auf Servolenkung kann akzeptiert werden, wenn diese Lenkungsart in der Baureihe serienmäßig vorkam. Servolenkung aus einem anderen Modell des gleichen Herstellers kann akzeptiert werden, wenn diese der StVZO entspricht und die Ausführung des Lenkgetriebes beibehalten wird.

Reifen/Räder
Originalausrüstung oder zeitgenössisches Zubehör

Werksfreigegebene Umrüstungen
Reifengröße darf maximal "2 Nummern" breiter als am Original (z.B. 225/55 R15 statt 205R15) sein. Umrüstungen, die nachweislich (!) bereits vor 20 Jahren vorschriftsmäßig ausgeführt wurden, sind erlaubt. Alle im Räderkatalog für den betreffenden Fahrzeugtyp vorgesehenen Umrüstungen sind möglich, auch wenn sie nicht bereits vor 20 Jahren eingetragen wurden. Die Umbereifung von Diagonal- auf Radial-Reifen ist möglich. Unterschiedliche Reifengrößen hinten und vorne sind nur dann erlaubt, wenn dies ab Werk vorgesehen war.

Auspuffanlage
Es müssen originale oder originalgetreue Nachbauten (auch in Edelstahl) verbaut sein. Fremdanlage ist nur dann zulässig, wenn sie optisch dem Original entspricht und keine Änderung im Geräusch-/Abgas und Leistungsverhalten eintritt. Kat ist erlaubt.

Ausstattung
Es wird weitgehende Originalität verlangt. So ist ein Käfer mit Porschearmaturen nicht möglich, wohl aber Armaturen von einem jüngeren Käfer. Umrüstung der Innenausstattung auf Leder/Kunstleder oder andere Stoffe ist möglich, nicht aber das optische Aufmotzen z.B. durch Zebrafell (andere ?unauffällige? Fellbezüge sind möglich). Andere Sitze aus späteren Modellen des gleichen Herstellers können eingebaut werden, nicht aber Sitze eines anderen Herstellers (z.B. Mercedes-Sitze im VW-Bus). Allerdings ist eine zeitgenössische Umrüstung möglich (Nachweis!).

Elektrik und Beleuchtung
Ein modernes Radio wird akzeptiert. Modifikationen des Kabelbaumes und Umbau von 6V auf 12 V sind möglich. Zusätzliche, vorschriftsmäßige Scheinwerfer sind möglich. Der Umbau von Beleuchtungsteilen (Rechteckscheinwerfer an Käfer, Manta Rückleuchten an Mercedes) ist nicht statthaft, außer, wenn es zeitgenössisches Zubehör ist.

Zubehör
Zeitgenössisches Zubehör ist möglich, wenn es StVZO-Vorschriften entspricht (z.B. Sonnenschutz). Gegebenenfalls ist Nachweis über Herkunft und Alter zu führen.

Nutzfahrzeuge
Umbauten in eine andere Fahrzeugkategorie sind nicht zulässig (z.B. Lkw in Pkw).
Umbau zum Wohnmobil ebenfalls, außer, wenn der Umbau schon vor 20 Jahren erfolgt ist.

Krafträder
Originaltank oder im Einzelfall auch Tank vom Nachfolgemodell (nach Rücksprache mit Oldtimerspezialisten) oder Nachbauten von Originaltanks sind erlaubt. Originalauspuff oder originalgetreuer Nachbau (Ausnahmen bei Vorkriegsmodellen möglich) ist vorgeschrieben. Analog wird auch bei Sitzen/Sitzbänken entschieden.

Quelle: http://www.tuevs.de/auto/