Heckleuchten: ist selbst färben zulässig?

gefärbte Leuchten, erlaubt oder nicht?
Immer wieder taucht die Fragen: ich möchte keine schwarzen Leuchten kaufen, die sind zu teuer, ich möchte sie selber färben. Oder man kann in Internetauktionen eingefärbte Leuchten günstig ersteigern. Wie bekomme man das eingetragen. Die Antwort ist ganz einfach: legal gar nicht.

Zulassungspflicht
Alle Leuchten am Fahrzeug unterliegen der Zulassungspflicht. Regulär erkennt man diese Zulassung an einem e-Prüfzeichen auf der Leuchte. Im Prinzip ist jede Leuchte des Leuchtenkörpers einzeln zugelassen worden, hat also eine eigene Zulassung. Diese Zulassung unterliegt der StVZO. "Aber da steht nichts drin!" werdet Ihr jetzt sagen. Stimmt halb. Durch Angleichung der Zulassungsvorschriften mit dem europäischen Ausland wurden spezielle, länderübergreifende Regelungen notwendig. Dies sind die ECE-Richtlinien, auf die in allen möglichen Paragraphen der StVZO verwiesen wird. Genauer darauf einzugehen würde den Rahmen sprengen, daher hier die rechtlichen Grundlagen in Kurzform.

Ablauf der Zulassung
Jede Leuchte, die eine Zulassung erhalten hat und mit einem E-Prüfzeichen versehen wurde, hat ein lichttechnisches Zulassungsverfahren durchlaufen. In Deutschland ist dafür beispielsweise das "lichttechnische Institut der Universität Karlsruhe" zuständig. Diese lichttechnische Zulassung regelt alles, was die Lampe erfüllen muss. Das fängt an bei der Helligkeit, über die Intensität bis hin zum Abstrahlwinkel. Sogar die zulässigen Leuchtmittel sind vorgeschrieben. Wenn man also beispielsweise in ein Schlusslicht statt der vorgesehenen 5 oder 10 Watt Birne eine 21 Watt Birne einbaut, erlischt strenggenommen deren Zulassung. Für jede Leuchte gibt es separate Vorschriften, so muss ein Blinker andere Vorschriften erfüllen als eine Nebelschlussleuchte oder ein Bremslicht.

Wenn man nun auf die Idee kommt, statt der Standardbeleuchtung schwarze, grüne blaue, ... Heckleuchten einzubauen, müssen diese Leuchten ebenfalls den gültigen Zulassungsvorschriften entsprechen. Dafür bekommen auch diese Leuchten ein Zulassungszeichen zugewiesen. Die Hersteller der Leuchten müssen jede Farbe und jeden einzelnen Teil der Leuchte separat prüfen lassen. Neben einem erheblichen zeitlichen Aufwand, ist auch erheblicher finanzieller Aufwand notwendig.

Ist der Nachweis erbracht und das E-Prüfzeichen mit einer zugehörigen Prüfnummer (steht auf jeder Leuchtenkammer) durch das KBA (Kraftfahrt Bundesamt) erteilt, kann man diese Leuchte in Serie produzieren.

vermeintliche Tipps und Tricks
Jetzt gibt es eine Menge vermeintliche Tricks, mit denen man angeblich auch selbstgefärbte Leuchten eingetragen bekommt. Ich möchte hier die gängigsten, mir bekannten Methoden und Ihre Gefahren nennen.

1.) schwarze Leuchten ausleihen, eintragen lassen und dann gegen gefärbte Leuchten austauschen Zuerst einmal habt Ihr nach der Eintragung wieder Änderungen vorgenommen, damit ist die Eintragung natürlich ungültig geworden, da sich das begutachtete Teil gar nicht mehr am Fahrzeug befindet. Jede legale Eintragung beinhaltet die Zulassungsnummer der Leuchte. Diese ändert sich natürlich wieder, wenn die Leuchte ausgetauscht wird. Eine Serienleuchte hat eine andere Zulassungsnummer als eine Umrüstleuchte. Wenn Ihr in einer Polizeikontrolle oder beim nächsten TÜV darauf besteht, eingetragene Leuchten zu fahren, kommt man Euch sehr schnell auf die Schliche, wird Euch Vorsatz unterstellen. Im ungünstigsten Fall bringt Euich das eine Anzeige ein.

2.) Eintragung per Einzelabnahme
Einige Händler versprechen, dass eine Eintragung per Einzelabnahme möglich sei und einige Kunden die nachträglich gefärbten Leuchten eingetragen haben. Hier solltet Ihr genau nachhaken, denn mir stellen sich in diesem Moment 2 Fragen: 1.) wenn es möglich ist, warum nennt der Händler Euch keine Prüfstelle die dies macht oder bietet die Eintragung selber an und 2.) wenn es so einfach ist, gefärbte Heckleuchten zu legalisieren, warum macht das kein Hersteller von Leuchten? Die Gewinnspanne wäre unendlich gross, weil alle umständlichen und kostspieligen Zulassungsverfahren wegfallen würden.

3.) Gefälligkeitseintragung
"Fahrzeug ist mit gefärbten Heckleuchten ausgerüstet" steht in manchen Fahrzeugscheinen. Was heisst das genau? Eigentlich ist das doch ein Freibrief für selbstgefärbte Leuchten? NEIN!!! Spielen wir das einmal durch. Ihr bekommt diesen Text von Eurem Prüfer eingetragen. Wenig später kommt Ihr in eine Polizeikontrolle. Der Beamte bezweifelt, dass es sich um legale Leuchten handelt. Das Fahrzeug wird einem anderen Prüfer vorgestellt. Dieser durchschaut die nette Spielerei natürlich sofort. Ihr zieht vor Gericht, mit einer vermeintlich sicheren Eintragung im Rücken. Der zuständige Prüfer wird als Zeuge geholt, betrachtet die Lampen. Was wird nun passieren? Wählt die wahrscheinliche Möglichkeit selber aus: a) er bricht in Tränen aus und gesteht, dass er das nie hätte eintragen dürfen, es aber trotzdem getan hat und er alleine schuld sei, oder b) er behauptet, am Tag der Eintragung seien andere, zulässige Leuchten verbaut gewesen. Seine Eintragung sei natürlich schwammig, aber damit hätte er ja auch nicht rechnen können. Letztendlich hängt sein Job daran, da wird er sich nicht für Euch schuldig bekennen. Die Eintragung ist also auch für ihn sicher.

4.) "gekaufte" Eintragung
Jeder hat schon einmal von "gekauften" Eintragungen gehört. Prüfer die sich etwas dafür zahlen lassen, dass Sie auch illegale Bauteile eintragen. Ob es diese Prüfer wirklich gibt kann ich kann ich nicht sagen, gehört habe ich schon davon. Ihr habt nun also Leuchten eingetragen, die man gar nicht fahren darf. In der nächsten Polizeikontrolle wartet wieder der nette Beamte, glaubt nichts von dem was da steht, schleppt Euch zu einem Sachverständigen, der durchschaut das wieder recht schnell. Ihr zieht vor Gericht mit einer vermeintlich extrem sicheren Eintragung. Der eintragende Prüfer wird als Zeuge bestellt. Er schaut sich die Leuchten an. Wählt wieder selber aus was passiert. a) er grinst und sagt "ha, jetzt haben sie mich aber erwischt", verliert seinen Job, oder b) er behauptet, dass diese Leuchten natürlich nicht zugelassen seien, er das aber damals nicht hätte feststellen können, sie waren am Fahrzeug, Ihr hattet ein offizielles Gutachten, dass muss dann ja wohl gefälscht gewesen sein, wo das jetzt sei solle man Euch fragen. Wieder reingefallen.

5.) "blinde" Eintragung
Man gibt einem guten Bekannten den Fahrzeugbrief und etwas Geld, sowie ein Auflistung aller Teile, die eingetragen werden sollen. Einige Tage später erhält man den Brief mit allen Eintragungen aber ohne Geld zurück. Mir sind selber zwei solcher Fälle bekannt. Einige Zeit später stand der nächste TÜV-Termin an. Der Brief wurde ebenfalls vorgelegt (man hatte ja mit Ärger gerechnet) und es stellte sich folgendes heraus: Im ersten Fall war der Prüfstempel von exakt dieser Prüfstelle, allerdings gab es keinerlei Unterlagen über diese Eintragung und ein solcher Stempel war kurz vorher auf wundersame Art und Weise verschwunden. Im zweiten Fall standen Stempel und Unterschrift in keinerlei Beziehung, einen Prüfer mit diesem Namenskürzel hat es in dieser Prüfstelle nachweislich nie gegeben.

6.) allgemeines Gutachten
"gegen die Verwendung eingefärbter Leuchten ist nichts einzuwenden". Ein solches Gutachten machte vor einiger Zeit die Runde und ist auch jetzt wieder käuflich zu erwerben. Logischerweise fehlten hier sämtlich genauen Bezeichnungen. Ein Gutachten in dem die Leuchte nicht mit Zulassungsnummer genannt ist ist ungültig. Jeder Prüfer lacht Euch damit aus. Warum? Nehmen wir an Ihr lackiert die Leuchte in Wagenfarbe. Es kommt kein Licht mehr durch. Im Gutachten steht "gegen die Verwendung eingefärbter Leuchten ist nichts einzuwenden". Ihr bewegt Euch also im Rahmen des Gutachtens, im Rahmen der Legalität. Würdet Ihr Euch das selber glauben??? Mehr braucht man dazu nicht zu sagen. In der heutigen Zeit, wo nahezu jeder einen Rechner, einen Scanner und ein Grafikprogramm besitzt, kann man sich ohne weiteres auf Grundlage eines gültigen Gutachtens selber beliebe Gutachten drucken. Allerdings ist ein Gutachten ein amtliches Dokument. Fliegt Ihr auf, ist die Wahrscheinlichkeit gross, unter anderem wegen Urkundenfälschung angeklagt zu werden. Dies ist eine Straftat, Ihr seid vorbestraft. Und das wegen 200 Euro die Ihr sparen wolltet?

Fazit
Die Zulassung einer Leuchte erfolgt erst nach einer extrem aufwendigen Prüfung. Das Zulassungszeichen hat einen urkundenähnlichen Charakter. Wenn Ihr nun die Lampe sprayt (Auftragung einer Beschichtung), verändert Ihr logischerweise deren (geprüfte) Werte. Damit erlischt in diesem Moment die Zulassung, die Lampe darf also im Strassenverkehr nicht mehr benutzt werden. Tut Ihr dies trotzdem, erlischt damit strenggenommen die ABE des Fahrzeugs, weil Ihr wissentlich an betriebswichtigen Teilen (Beleuchtung) manipuliert habt. Ein nicht zugelassenes Fahrzeug muss von der Versicherung nicht versichert werden. Obwohl Ihr also Eure Beiträge zahlt, seid Ihr bei einem Unfalls nicht versichert. Jeder Gutachter stellt die unzulässigen Leuchten fest (das ist sein Job). Und wenn eine Versicherung nicht zahlen muss, tut sie das nicht, auch nicht weil Ihr so nett ausseht und so freundlich seid. Ihr bleibt also auf dem Schaden sitzen. Selbstverständlich könnt Ihr gegen die Versicherung klagen, dies kann aber einige Zeit in Anspruch nehmen und durch mehrere Instanzen gehen. Wenn Ihr jemanden angefahren habt und dieser bleibende Schäden behält, geht der Schaden schnell in die Millionen (Krankenhauskosten, Rentenansprüche, ...), auf denen Ihr dann ggf. ganz oder zum Teil sitzen bleibt - ist es Euch das wert???

 

Rechtliches:

Verfasser der Anleitung: Dirk Plettner - www.Derby2.de

Hinsichtlich der hier bereitgestellten Informationen wird keine Gewähr für Richtigkeit, Zulässigkeit im Straßenverkehr und Vollständigkeit übernommen. Die Benutzung der Informationen erfolgt auf eigene Gefahr und eigenes Risiko! Ich schließe ausdrücklich jede Haftung für Schäden, die auf die Verwendung der Informationen zurückzuführen sind, aus.